Während alles, was im Literaturbetrieb auf sich hält, zur Zeit in Leipzig ist und in den Feuilletons die Frühjahrsneuerscheinungen rezensiert werden, während auf dem “Blauen Sofa” der Buchmesse unterhaltsame und nachdenklich, aber auch nervige und geschwätzige Zeitgenossen Platz nehmen, werden im Münchner Muffatwerk die Vorbereitungen für das “Internationale Festival junger Literatur” getroffen. In zwei Wochen, vom 26.-28. März 2009, finden jeweils ab 20 Uhr an der Isar die WORTSPIELE statt. Veranstalter und Literaturagent Johan de Blank versammelt in diesem Jahr bereits zum neunten Mal junge Talente der zeitgenössischen Literatur um sich.
Jeden Abend kürt eine Jury einen Tagespreisträger und am Samstag Abend wird der mit 2.000 Euro dotierte Bayern-2-Wortspiele-Preis verliehen. Außerdem lockt den Gewinner oder die Gewinnerin neben Barem ein einmonatiger Aufenthalt in der Villa Aurora in Los Angeles.
Zu den Highlights des Donnerstag Abend zählen sicherlich die in Argentinien geborene Maria Cecilia Barbetta, die bereits mit dem Förderpreis des Albert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde, sowie der Dramaturg der Münchner Kammerspiele Björn Bicker. Bicker hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit Peter Kastenmüller das Theaterprojekt “Illegal” an den Kammerspielen realisiert. Im Rahmen des 850. Stadtgeburtstages sollte auf die Situation der schätzungsweise 50.000 illegal in München lebenden Menschen hingewiesen und weiteren 850 Flüchtlingen sichere Zuflucht gewährt werden. Im Rahmen der damit verbundenen “Save Me”-Kampagne werden im März 2009 immerhin 200 Flüchtlinge aus dem Irak in München erwartet. Bicker hat nun mit “Illegal. Wir sind viele. Wir sind da.” sein erstes Buch veröffentlicht.
Am Freitag Abend wird Moderator Hans Pleschinski mit Steffen Kopetzky und Markus Orths zwei Schwergewichte der jungen deutschen Literatur präsentieren. Kopetzky liest aus seinem bei Luchterhand erschienenen Kriminal- und Abenteuerroman “Der letzte Dieb”; Orths präsentiert einen Ausschnitt aus “Das Zimmermädchen”, wofür er mit dem Telekom-Preis des Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet wurde.
Zum Abschluss der Wortspiele am Samstag erwartet das Publikum ein ausgesucht vielfältiges Programm. Drei Teilnehmer und eine Teilnehmerin der Literaturwerkstatt Manuskriptum der LMU werden zunächst ihre Texte vorstellen. Mit dem autobiografisch-orientalischen Märchen “Der falsche Inder” von Abbas Khider schließt sich dann der Kreis zu Bickers “Illegal”. Khiders Novelle stellt aus verschiedensten Facetten die Erlebnisse, Wunder und Zumutungen vor, die einem (illegalen) irakischen Flüchtling auf dem langen Weg nach Deutschland begegnen. Zum Ende darf man sich noch auf einen Höhepunkt freuen: der “Star” der jungen Literaturszene, der selbst seine ersten literarischen Schritte in der Literaturwerkstatt Manuskriptum getan hat und zwischenzeitlich zahlreiche renommierte Preise erhalten hat, Thomas von Steinaecker, wird aus seinem Roman “Geister” lesen, einer “Graphic Novel”, die nicht nur Sprache und Text mit den Comiczeichnungen von Daniela Kohl verbindet, sondern darüber hinaus auch weitere medientheoretische Referenzen enthält. Von Steinaecker ist Experte was Bild-Text-Verbindungen angeht, seine Dissertation behandelte immerhin “Literarische Foto-Texte”.
Einundzwanzig junge Autorinnen und Autoren gilt es an den drei Abenden von Donnerstag bis Samstag zu entdecken - die literarische Vielfalt und Qualität wird die Zeit wie im Fluge vergehen lassen. Aber lassen Sie sich nicht täuschen - in der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Diese Frühlingsnacht ist tatsächlich eine Stunde kürzer.
Das gesamte Programm, den genauen Ablauf und Informationen zu den Autorinnen und Autoren finden Sie unter WORTSPIELE 9.