Muziektheater Transparent / Collegium Vocale Gent aus Belgien mit dem Stück “RUHE” in der Muffathalle. Regie: Josse De Pauw
I.
Die leergeräumte Muffathalle steht voller alter Stühle. Stühle aus Holz und solche mit abgesessenen Polstern, ganz unterschiedliche Stühle. Sie stehen in mehreren lockeren Reihen, kreisförmig, zufällig, so als ob gerade schon eine Gruppe von Leuten hier gesessen wäre und die Stühle danach nicht wieder ordentlich hingestellt worden sind. Das Publikum strömt in den Saal, jeder sucht sich einen Stuhl. Noch während alle Platz nehmen steigen andere auf ihre Stühle hinauf und fangen an zu singen. Das passiert zunächst beiläufig, jeder der Anwesenden könnte ein Sänger sein, jeder, so meint man, der singen möchte, steigt einfach auf seinen Stuhl. Und diejenigen, die nicht singen und sitzen bleiben, sind inmitten des Gesangs, von Liedern geborgen. Eine Anordnung wie ein Wir-Gefühl. Es sind wir, die diese mehrstimmigen schönen Schubert-Lieder singen, es sind unsere Körper, in denen der klare berührende Gesang seine Heimat hat, und unsere eigene deutsche Sprache ist es, die auf so behutsame Weise das Wesentliche zu erfassen vermag.
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