Zwei wunderbare Stücke zeigte das Ballet Preljocai aus Aix-en-Provence im Carl-Orff-Saal. Mit einer selten zu sehenden Kombination aus Spielfreude und Präzision führen die Choreographien vor, was tänzerische Bewegung und Ausdruck heute sein kann.

Gerade im ersten Teil Empty Moves (Part I), der die Bewegungsabläufe von vier Tänzern fugenlos choreographiert, werden Ästhetik und Präsenz der Körper auf einer leeren Bühne geradezu herausdestilliert. Zur Stimme von John Cage, der (auf einer Live-Aufnahme aus dem Jahre 1977) “Empty Words” spricht (Worte, die keinen Bedeutungszusammenhang, sondern nur einen dünnen, ausgefransten Klangteppich bilden), vollführen die Tänzer Elemente aus Aufwärmübungen, wie man sie aus der Akrobatik oder eben dem Ballet kennt. Allein oder miteinander bewegen sie sich durch einen Reigen von Übungen, die nichts als den Körper zum Ziel haben, unspektakulärer, schlichter, purer Tanz. Großartig. Fragwürdig allein die Idee des Choreographen Angelin Preljocaj, diese ästhetische Demonstration durch das distanzierende Zitieren von Cage konzeptionell zu befrachten.

Im zweiten Teil des Abends dann die opulente Ausführung dieser abstrakten Vorstudie, Noces. Eine betont perkussive Aufnahme von Strawinskys Les Noces ist der vibrierende Motor der Performance. Strawinsky war zu dieser Komposition (1917) durch russische Hochzeitsrituale angeregt worden. Fünf Paare zeigen zu diesem thematischen Kreis Bilder von großer Lebendigkeit und Schönheit. Sie erzählen von Gewalt und Verführung, Distanz und Vertrauen. Mal bleiben die Paare synchron, mal unterscheiden sie sich in Gesten und Temperament - wie sich Liebesbeziehungen im Großen in bekannten Mustern entwickeln, während jede einzelne doch ganz eigen ist. Klang, Licht, Kostüme und Körper mischen sich in manchmal atemberaubender Schnelligkeit zu einem Wirbel expressiver Sinnlichkeit. Und doch verliert die Aufführung neben aller Energie und Akkuratesse niemals ihren verspielten Grundton. Seltsam schön.